Rosetta und Philae – Komet Churyumov-Gerasimenko

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Komet Churyumov-Gerasimenkos Oberfläche – zu heiß für Eis
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Komet mit rauer Oberfläche Die Aufnahme der OSIRIS-Kamera zeigt den Kometen Churyumov-Gerasimenko aus einer Entfernung von 1950 Kilometern am 29. Juli 2014. Ein Pixel entspricht dabei etwa 37 Metern  Quelle: ESA / Rosetta / MPS für OSIRIS-Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA

Komet mit rauer Oberfläche
Die Aufnahme der OSIRIS-Kamera zeigt den Kometen Churyumov-Gerasimenko aus einer Entfernung von 1950 Kilometern am 29. Juli 2014. Ein Pixel entspricht dabei etwa 37 Metern
Quelle: ESA / Rosetta / MPS für OSIRIS-Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA

Freitag, 1. August 2014 Was auf der Erde für Kälterekorde steht, ist für einen Kometen aus Staub und Eis noch längst nicht der Tiefpunkt: Gerade einmal minus 70 Grad Celsius haben die Wissenschaftler des Instruments VIRTIS als durchschnittliche Temperatur für den Kometen Churymov-Gerasimenko gemessen, auf dem im November 2014 das Landegerät Philae unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aufsetzen soll. „Bei dieser Temperatur ist die Oberfläche des Kometen nicht vollständig mit einer Eisschicht bedeckt, sondern mit einem dunklen, staubigen Material“, sagt DLR-Planetenforscherin Dr. Gabriele Arnold, die die deutschen wissenschaftlichen Beiträge zu diesem Experiment leitet. Gemessen wurde die Temperatur von der ESA-Sonde Rosetta aus, die am 6. August 2014 am Kometen ankommt.

Die Untersuchungen des Kometenkerns mit dem visuell-infraroten Spektrometer VIRTIS fingen im Juli dieses Jahres an. Zu diesem Zeitpunkt waren Sonde und Instrument noch zwischen 14.000 und 5000 Kilometer vom Zielkometen entfernt und so füllt der Komet nur wenige Pixel des Bildes aus. „Die Temperatur repräsentiert deshalb einen Mittelwert über die sichtbare Kometenoberfläche.“ Einzelne Regionen werden dabei nicht im Detail erfasst und können durchaus mit Eis bedeckt sein. Mit dem Durchschnittswert von minus 70 Grad Celsius liegt die Temperatur 20 bis 30 Grad über dem Wert, bei dem ein Komet komplett mit Eis bedeckt wäre. Die Wissenschaftler des VIRTIS-Teams gehen deshalb davon aus, dass die Oberfläche zum großen Teil mit einer Kruste aus dunklem, Staub bedeckt ist, die vom Sonnenlicht erwärmt wird und diese Energie im infraroten Wellenlängenbereich wieder abstrahlt. DLR-Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt, der ebenfalls an VIRTIS beteiligt ist, schlussfolgert aus ersten Modellrechnungen: „Die relativ hohen Temperaturen legen nahe, dass die staubige Oberfläche sehr rau sein muss“.

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Der Anfang einer engen Beziehung: Erfolgreiches Rendezvous mit Komet Churyumov-Gerasimenko
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Mittwoch, 6. August 2014 Über 6,4 Milliarden Kilometer hat die ESA-Raumsonde Rosetta zurückgelegt, hat an Planeten Schwung geholt, zwei Asteroiden im Vorbeiflug angeschaut und von der zehnjährigen Flugzeit mehr als zweieinhalb Jahre im Sparmodus verschlafen – am 6. August 2014 kam sie mit Lander Philae an Bord um 11:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit an ihrem Zielkometen an und beginnt ihn zu umkreisen. Nun startet die Kartierung des Kometen, der anscheinend aus zwei miteinander verbundenen Teilen besteht: Am 11. November 2014 wird dann die erste Landung überhaupt auf einem Kometen erfolgen. Landegerät Philae wird dabei aus dem Lander Control Center des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gesteuert und betrieben.
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Zeitzeuge aus der Vergangenheit

404 Millionen Kilometer ist die Raumsonde nun von der Erde entfernt. Schon während des Anflugs hat Churyumov-Gerasimenko für Überraschungen gesorgt: Statt eines kartoffelförmigen Körpers blickten die Kometenforscher auf einen Körper, der ähnlich wie eine Ente aus Kopf und Körper bestand. Die erste Temperaturmessung zeigte dann, dass auf Lander Philae kein Komet mit viel Eis, sondern mit einer staubigen und wahrscheinlich sehr rauen Oberfläche wartet. „Mit der Ankunft am Kometen werden wir jetzt aus 100 Kilometern Höhe noch deutlich mehr über Churymov-Gerasimenko erfahren“, sagt Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt vom DLR-Institut für Planetenforschung, „Spannend und einmalig sind vor allem die ausgiebigen Untersuchungen aus der nahen Distanz.“

Elf Instrumente reisen auf der Raumsonde Rosetta mit, zehn Instrumente befinden sich an Bord von Lander Philae und werden die ersten Daten direkt von einer Kometenoberfläche aus liefern. Bodenbeschaffenheit, Temperatur, physikalische Zusammensetzung des Kometenkerns, organische Moleküle – alles ist für die Kometenforscher interessant, denn Churyumov-Gerasimenko, der aus Eis und Staub besteht, ist aus sehr wahrscheinlich aus besonders ursprünglichen Material gebildet, das sich bei seinem Flug durch die kalten Regionen des Sonnensystems weniger verändert hat als andere Himmelskörper: „Wir begegnen einem Zeitzeugen aus der Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren“, sagt DLR-Forscher Dr. Ekkehard Kührt. „Kometen haben die Vergangenheit wie ein Kühlschrank in gefrorenem Zustand konserviert und tragen dadurch noch viele Merkmale aus den Anfängen des Sonnensystems in sich. Allerdings kann man auf den ersten Bildern erkennen, dass auch am Kometen die Zeit nicht spurlos vorbei gegangen ist“, betont Kührt. „Zahlreiche exotische Strukturen auf der Oberfläche deuten auf eine gewisse Entwicklung hin, die es nun zu verstehen gilt.“ Außerdem könnten Kometen und ihre Einschläge dafür gesorgt haben, dass Wasser und Moleküle für die Entstehung von Leben zur Erde gelangten.
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Die Suche nach dem perfekten Landeplatz
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Komet 67P / Churyumov-Gerasimenko am 3. August 2014 Komet 67P / Churyumov-Gerasimenko aufgenommen von Rosettas OSIRIS-Kamera am 3. August 2014 von 285 Kilometer Entfernung. Das Bild hat eine Auflösung von 5,3 Meter / Pixel.  Quelle: ESA / Rosetta / MPS für OSIRIS-Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA

Komet 67P / Churyumov-Gerasimenko am 3. August 2014
Komet 67P / Churyumov-Gerasimenko aufgenommen von Rosettas OSIRIS-Kamera am 3. August 2014 von 285 Kilometer Entfernung. Das Bild hat eine Auflösung von 5,3 Meter / Pixel.
Quelle: ESA / Rosetta / MPS für OSIRIS-Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA

Nun beginnt die Landeplatzauswahl, bei der auf dem entenförmigen Körper für Landegerät Philae mit den Daten der Kameras und der anderen wissenschaftlichen Instrumente die rechte Stelle ausgesucht wird. Dabei müssen zahlreiche Kriterien berücksichtigt und manchmal auch der goldene Mittelweg gefunden werden. „Wir benötigen zum Beispiel einerseits Sonne, damit die Batterien mit den Solarzellen immer wieder aufgeladen werden können, andererseits darf der Komet an seiner Oberfläche nicht schon zu heiß sein und zu stark ausgasen“, erläutert DLR-Wissenschaftler Dr. Stephan Ulamec, Leiter der Lander-Teams. Rund 450 Millionen Kilometer Entfernung von der Sonne sind dafür günstig. Aber auch Rauigkeit der Oberfläche und die Beschaffenheit des Bodens sind entscheidend für eine sichere Landung. Nicht zuletzt ist eine gute „Sichtverbindung“ zur Raumsonde Rosetta wichtig, um die gemessenen Daten der zehn Instrumente regelmäßig über diese Verbindung zur Erde zu funken und vom Lander-Kontrollzentrum im DLR Köln Kommandos an den Lander zu senden.

Ende August wird eine erste Auswahl stattfinden, bei der Wissenschaftler und Ingenieure des DLR und weitere Partner des Lander-Konsortiums unter Leitung des DLR bis zu fünf mögliche Landestellen festlegen. „Günstige Gebiete für eine Landung befinden sich am Kopf sowie zum Teil auf dem größeren Kometenteil – der schmale Grat fällt eher heraus“, sagt Lander-Projektleiter Stephan Ulamec. Mitte September werden dann aus diesen „Top Five“ die beiden besten Landeplätze herausgefiltert. Mitte Oktober – ein Monat vor der Landung – fällt dann die Entscheidung, an welchem Ort auf Churyumov-Gerasimenko das Landegerät Philae aufsetzen soll.
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Warten auf das erste Signal von der Kometenoberfläche

Da die Laufzeit der Kommandos 30 Minuten von der Erde zu Sonde und Lander dauern, werden die Ingenieure beim Landevorgang selbst nicht mehr eingreifen können. Stattdessen wird wenige Stunden, bevor Philae von Rosetta aus wenigen Kilometern Höhe getrennt wird, von den DLR-Ingenieuren eine Computersequenz für den Abstieg und die Landung an die Raumsonde gesendet. Mit gerade einmal etwa mehr als drei Stundenkilometern sinkt Philae dann auf den Kometen hinunter. Damit er dort aufgrund der geringen Anziehungskraft von Churyumov-Gerasimenko nicht gleich wieder abprallt, werden unverzüglich zwei Harpunen in den Kometenboden gefeuert, die den Lander auf dem kleinen Himmelskörper verankern. Zusätzlich drehen sich Eisschrauben in den Füßen des Landegeräts in den Boden, und eine Kaltgasdüse an der Oberseite von Philae drücken den Lander sanft in Richtung Komet. „Ob alles gut verlaufen ist, erfahren wir erst 30 Minuten nach der Landung, wenn wir im Kontrollzentrum die Daten erhalten“, sagt Dr. Stephan Ulamec. Auch die ROLIS-Kamera des DLR, die an der Unterseite des Landers sitzt, wird dann ihre ersten Bilder vom Abstieg des Landegeräts senden.

Gemeinsam werden Rosetta und Philae den Kometen dann auf seinem Weg in Richtung Sonne begleiten – und beobachten, wie Churyumov-Gerasimenko zunehmend aktiver wird, Gas verströmt und Staubpartikel ins All schleudert. „Die kontinuierliche Untersuchung aus einem Orbit und direkt von der Kometenoberfläche aus sind beides Premieren, die noch keine andere Mission erfüllt hat“, sagt DLR-Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt. „Unser Wissen über diese noch immer geheimnisvollen Himmelskörper wird mit der Rosetta-Mission deutlich anwachsen.“

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Komet Churyumov-Gerasimenko in 3D
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Donnerstag, 14. August  2014 Äußerst unregelmäßig geformt und mit einer sehr rauen Oberfläche zieht Komet Churyumov-Gerasimenko seine Bahn im Weltall. „Die Oberfläche des Kometen ist bei weitem nicht so unverändert, wie wir uns das zu Beginn gedacht hatten“, deutet Dr. Ekkehard Kührt, Kometenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und verantwortlich für die wissenschaftliche Beteiligung des DLR an der ESA-Mission Rosetta, die Aufnahmen. „Dafür ist die Vielfalt an Strukturen zu groß. Zu klären ist nun, wie sich diese Formen entwickelt haben. Wahrscheinlich hat die kometare Aktivität einen wichtigen Anteil daran.“ Die Anaglyphenansicht in 3D des Kometen zeigt unter anderem Risse, steile Hänge, Krater, Felsbrocken, glatte und zerklüftete Gebiete. Den 3D-Effekt erkennt man bei der Betrachtung mit einer Rot-Grün-Brille.

Aufgenommen wurde die beiden Bilder, die für das Anaglyphenbild notwendig sind, am 7. August 2014, als Orbiter Rosetta in einer Entfernung von 104 Kilometern über den Kometen flog. Seit dem 6. August befindet sich die ESA-Sonde in einem ausgeklügelten Orbit um Churyumov-Gerasimenko. Die Aufnahmen zeigen deutlich: Der Komet wird es dem Lander-Team nicht einfach machen, einen geeigneten Landeplatz für „Philae“ zu finden. Voraussichtlich am 11. November 2014 soll das Landegerät auf der Kometenoberfläche aufsetzen. Gesteuert und betrieben wird es dabei aus dem Lander Control Center (LLC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Da Churyumov-Gerasimenko aus zwei miteinander verbundenen Teilen besteht, fallen einige Regionen für einen sichere Landung sehr wahrscheinlich aus.

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Die Suche nach dem „perfekten“ Landeplatz

Donnerstag, 21. August 2014 Wenn Lander „Philae“ sich seine Landestelle auf Komet Churuymov-Gerasimenko selbst schaffen könnte, wäre es ein Platz auf ebenem, aber dennoch wissenschaftlich spannendem Gelände, mit genügend Sonne und Bedingungen, die eine lange Lebensdauer für ihn möglich machen. Doch der schroffe, ungewöhnlich geformte Komet macht es dem Lander und seinem Team nicht so einfach mit der Auswahl: Bis zu fünf mögliche Landestellen wird das Konsortium unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bis zum 24. August 2014 auswählen, um diese noch einmal ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Am 25. August werden die Kandidaten für die Landung bekanntgegeben. Am 11. November 2014 soll das Landegerät der europäischen Rosetta-Mission dann – gesteuert und betrieben durch das Lander Control Center (LCC) des DLR – die erste Landung auf einem Kometen überhaupt durchführen.

„Wir müssen bei der Auswahl der Landesstelle viele Kriterien berücksichtigen und gegeneinander abwägen“, sagt DLR-Wissenschaftler Dr. Stephan Ulamec, Projektleiter für Lander „Philae“. „Dabei gibt es sicherlich keinen perfekten Landeplatz – den findet man in der Wirklichkeit nie. Es soll aber der beste Landeplatz sein, den es auf dem Kometen gibt.“ Das Team aus DLR, der französischen Raumfahrtagentur CNES und den verschiedenen leitenden Wissenschaftlern für die Instrumente des Landers diskutieren deshalb zurzeit die Für und Wider für verschiedene Landeplätze.

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Die Qual der Wahl: Fünf Kandidaten für Landeplätze auf Churyumov-Gerasimenko
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Staubhülle des Kometen Churyumov-Gerasimenko Die Staubhülle, die so genannte Koma, des Kometen Churyumov-Gerasimenko erstreckt sich über ein Gebiet von 150 mal 150 Kilometern. Die Aufnahme wurde am 25. Juli 2014 mit einer Belichtungszeit von 330 Sekunden erstellt. Durch die Überbelichtung des hellen Kerns entstehen Artefakte wie die verschwommene helle Struktur rechts vom Kern sowie im Zentrum des Kerns.  Quelle: ESA / Rosetta / MPS für OSIRIS-Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA

Staubhülle des Kometen Churyumov-Gerasimenko
Die Staubhülle, die so genannte Koma, des Kometen Churyumov-Gerasimenko erstreckt sich über ein Gebiet von 150 mal 150 Kilometern. Die Aufnahme wurde am 25. Juli 2014 mit einer Belichtungszeit von 330 Sekunden erstellt. Durch die Überbelichtung des hellen Kerns entstehen Artefakte wie die verschwommene helle Struktur rechts vom Kern sowie im Zentrum des Kerns.
Quelle: ESA / Rosetta / MPS für OSIRIS-Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA

Montag, 25. August 2014 Noch nie musste ein Missionsteam einen Landeplatz auf einem Kometen auswählen – Lander Philae wird das erste Gerät überhaupt sein, das auf einem Kometen aufsetzt und vor Ort Messungen durchführt. Und Zielkomet Churyumov-Gerasimenko, zu dem die ESA-Raumsonde Rosetta vor zehn Jahren mit Philae an Bord aufgebrochen ist, macht es dem Landerteam unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nicht einfach: Auf seiner Oberfläche sind nicht nur flache Gebiete, sondern auch zahlreiche Risse, Hänge, Krater und Brocken zu sehen. „Wenn man die außergewöhnliche Form und die globale Topographie des Kometen sieht, ist es sicherlich keine Überraschung, dass viele Gebiete gleich aus der Auswahl herausfielen“, sagt DLR-Wissenschaftler Dr. Stephan Ulamec, Projektleiter für den Lander Philae. Am 24. August fiel die Entscheidung für fünf mögliche Landestellen. „Bei diesen Kandidaten, die wir nun weiterhin untersuchen, ist eine Landung nach ersten Abschätzungen technisch durchführbar – die vorläufigen Flugbahnberechnungen zeigen dies. Außerdem bieten alle zumindest teilweise flaches Terrain und bei jeder Rotation des Kometen mindestens sechs Stunden Tageslicht, um den Lander mit Energie zu versorgen.“

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Lander Philae: Sonniger Landeplatz auf dem Kometenkopf

Montag, 15. September 2014 Wenn Lander Philae voraussichtlich am 11. November 2014 auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko aufsetzen wird, erwartet ihn ein Landeplatz mit einer abwechslungsreichen, aber nicht zu sehr zerklüfteten Landschaft mit einer guten Beleuchtung durch die Sonne und kaum steilen Hängen. In einem zweitägigen Auswahlverfahren hat sich das Landerteam unter der Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nun unter fünf möglichen Kandidaten für den Landeplatz J entschieden. Die Region auf dem Kopf des zweiteiligen Kometen machte nach sorgfältiger Auswertung aller verfügbaren Daten letztendlich das Rennen. „Wie wir auf aktuellen Nahaufnahmen sehen, ist der Komet Churuymov-Gerasimenko eine schöne und zugleich sehr extreme Welt – er ist wissenschaftlich spannend, hat aber eine Form, die für die Landung eine große Herausforderung darstellt“, sagt DLR-Wissenschaftler Dr. Stephan Ulamec, Projektleiter für Lander Philae. „Keiner unserer fünf Kandidaten hat daher zu 100 Prozent alle Kriterien erfüllt, aber Landplatz J ist eindeutig die beste Lösung.“

Rund sieben Stunden wird es dauern, bis Philae nach der Trennung von der ESA-Sonde Rosetta auf der Oberfläche von Churyumov-Gerasimenko aufsetzen und somit zum ersten Mal überhaupt ein Landegerät auf einer Kometenoberfläche stehen wird. Eine Zeitspanne, die es den Ingenieuren und Wissenschaftlern ermöglicht, nicht zu viel Energie beim Abstieg zu verbrauchen und so unverzüglich nach einem ausgeklügelten Plan alle zehn Instrumente auf Philae in Betrieb zu nehmen. Während dieser so genannten „First Science Phase“ wird der Lander, der aus dem „Lander Control Center“ des DLR in Köln gesteuert, betrieben und überwacht wird, über seine Batterien gespeist. Anschließend sorgen durchschnittlich sieben Sonnenstunden pro Kometentag dafür, dass sich seine Batterien immer wieder aufladen – deshalb legte das Team großen Wert darauf, dass Philae an einem sonnigen Standort landet. Wissenschaftlich interessant ist die Region vor allem durch die Aktivitäten des Kometen auf seinem Weg in Richtung Sonne: In der Nähe der Landestelle J befinden sich Vertiefungen, die bereits jetzt aktiv sein könnten.
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Analysen für die sichere Landung
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Landung auf den Kopf des Kometen Landeplatz J befindet sich auf dem Kopf des Kometen. Das Bild wurde mit der OSIRIS-Kamera am 16. August 2014 aus einer Entfernung von etwa 100 Kilometern aufgenommen.  Quelle: ESA / Rosetta / MPS für OSIRIS-Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA

Landung auf den Kopf des Kometen
Landeplatz J befindet sich auf dem Kopf des Kometen. Das Bild wurde mit der OSIRIS-Kamera am 16. August 2014 aus einer Entfernung von etwa 100 Kilometern aufgenommen.
Quelle: ESA / Rosetta / MPS für OSIRIS-Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA

Neben Flugbahnberechnungen und den ersten Ergebnissen von Instrumenten an Bord der Rosetta-Sonde flossen beispielsweise auch die Daten verschiedener Landetests am DLR Bremen in die Entscheidung ein. Bei Tests im Frühjahr 2013 hatten die Ingenieure dort ein 1:1-Landemodell auf hartem und weichen Untergrund in der LAMA-(Landing and Mobility Test Facility)Anlage auf die Probe gestellt. In Computersimulationen konnten so die Herausforderungen der verschiedenen Landeplätze untersucht werden.

In den nächsten Wochen wird der Landeplatz nun aus größerer Nähe untersucht und immer exaktere Flugbahnberechnungen für Orbiter und Lander erstellt. Sollte sich dabei zum Beispiel herausstellen, dass das Gelände innerhalb der Landeregion deutlich zerklüfteter ist als erwartet oder extremes Ausgasen des Kometen an diesem Ort eine Landung gefährden, hat sich das Landerteam für Landestelle C als zweite Wahl entschieden. Auch dieser Landeplatz, der sich auf dem größeren Teil, dem Körper, des Kometen, befindet, liegt in relativ flachem Terrain und hat ausreichend Sonnenlicht.

Die übrigen Landeplätze I, B und A, die in der engeren Auswahl waren, fielen bei der Entscheidung heraus, weil sich bei den detaillierten Analysen herausgestellt hatte, dass sie einige der Kriterien nicht ausreichend erfüllten. So wurden auf den Nahaufnahmen aus rund 30 Kilometern Entfernung deutlich, dass Landeplatz B im Inneren einer kraterähnlichen Struktur mehr größere Brocken liegen als zunächst angenommen.

Vorbereitungen für den großen Tag

Mit der Festlegung auf eine Landestelle und den damit genaueren Flugbahnberechnungen können die Ingenieure des DLR-Lander-Kontrollzentrums (LCC) in Köln unter anderem die Sequenz für den Abstieg und die Landung anpassen und optimieren. Diese wird Philae autonom – ohne Eingreifen von der Erde aus – auf den Kometen sinken lassen und für seinen Betrieb auf Churyumov-Gerasimenko vorbereiten. Getestet werden die Aktivitäten der Flugeinheit dabei vorab mit einem Bodenreferenzmodell des Landers im LCC. Die Kommandos für Philae und seine zehn Instrumente an Bord werden während der Mission vom DLR-Kontrollzentrum zum europäischen Missions-Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt und von dort aus über Bodenstationen zu Rosetta und Philae geschickt. Die Telemetrie von Philae gelangt in umgekehrter Richtung über das ESOC zum LCC.

Am 15. Oktober 2014 soll der ausgewählte Landeplatz endgültig bestätigt oder ein Ausweichen auf den Ersatz-Landeplatz beschlossen werden. „Jetzt haben wir einen Landeplatz – bereiten wir uns also auf den großen Tag vor“, sagt Lander-Projektleiter Stephan Ulamec.

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Philaes Abstieg auf Churyumov-Gerasimenko

Freitag, 26. September 2014 Mitte September wurde der Landeplatz „J“ auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko ausgewählt. Nun gibt es zum Abstieg des Kometenlanders Philae einen genauen Fahrplan. Der Lander der ESA-Raumsonde Rosetta soll am 12. November 2014 um 9:35 Uhr morgens rund 22,5 Kilometer entfernt vom Kometenzentrum abdocken und rund sieben Stunden später auf dem Kometen aufsetzen. Die Steuerung der Landung erfolgt vom Lander-Kontrollzentrums (LCC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Etwa 16 Uhr [MEZ] wird eine erste Bestätigung der Landung erwartet.

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Landeplatz für Lander Philae bestätigt

Mittwoch, 15. Oktober 2014 Nun steht es fest: Nach weiteren detaillierten Untersuchungen ist der im September ausgewählte Landeplatz J auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko bestätigt worden. Das Team im Lander-Kontrollraum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) kann sich somit definitiv auf die Landung auf dem Kopf des entenförmigen Kometen vorbereiten. „Der Landeplatz hat ausreichend Sonne und relativ flaches Gelände“, sagt Lander-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec vom DLR. Einfach wird die Aufgabe dennoch nicht – bisher kennen die Wissenschaftler beispielsweise nicht die Bodenbeschaffenheit. „Die Landung ist eine große Herausforderung.“ Am 12. November 2014 um 9.35 Uhr soll der Lander von der Rosetta-Sonde getrennt werden und rund sieben Stunden später auf dem Kometen aufsetzen. Gesteuert und überwacht wird die erste Landung überhaupt auf einem Kometen aus dem Lander Control Center des DLR in Köln.

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Rosetta-Mission – Erstmalige Landung auf einem Kometen

am 12. November 2014 wurd erstmals in der Geschichte der Raumfahrt der Landeversuch auf einem Kometen unternommen.

Nach einer zehnjährigen Reise durch unser Sonnensystem erreichte die ESA-Raumsonde Rosetta am 6. August 2014 den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Sechs Wochen später wurde der Landeplatz ausgewählt. Geplant ist die Landung nun am 12. November an der Landestelle „J“ auf dem kleineren Kometenkopf.

Dazu wird zunächst das Landemodul “Philae“ am 12. November 2014 um 09.35 Uhr Mitteleuropäischer Zeit in einer Entfernung von 22,5 Kilometern zum Kometen von der Rosetta-Sonde getrennt. Die Landung auf der Oberfläche des Kometen erfolgt dann etwa sieben Stunden später. Gegen 17.00 Uhr wird die Bestätigung der Landung in den Kontrollzentren erwartet.

An der Landung sind drei Kontrollzentren beteiligt: das „Rosetta Mission Operation Centre“ im „European Space Operations Centre“ (ESOC) der ESA in Darmstadt, das „Lander Control Centre“ des DLR in Köln und das „Science Operations and Navigation Control Centre“ der CNES in Toulouse, Frankreich. Die Ereignisse in den Kontrollzentren sind eng miteinander verzahnt und wurden in einem gemeinsamen, englischsprachigen Programm von ESA-TV Live ausgestrahlt.

Hier die Programme in Deutschland im Einzelnen:

DLR-Landerkontrollzentrum, Köln:

12. November 2014
15.30 – 17.30 Uhr Landung Bestätigung gegen 17.00 Uhr.
ab 19.00 Uhr Vorstellung der ersten Bilder von der Kometenoberfläche

„Rosetta Mission Operation Centre“ der ESA im ESOC, Darmstadt:

13. November
14.00 Uhr Informationen zu den ersten wissenschaftlichen Ergebnissen

In der Nacht vom 11. auf den 12. November gabt es drei Zeitfenster, die über einen kurzfristigen Abbruch des Landeversuchs entschieden. Informationen über diese Go / No-Go-Entscheidungen wurden auf den Webseiten aller Partner sowie über Twitter (#CometLanding) bekannt gegeben.

Das Programm aus den Kontrollzentren war am Landetag im Internet als Live-Stream zu sehen.

Philae Lander Control Center, Köln, Deutschland

 

Gesucht: Ein Name für Landeplatz J auf Komet Churyumov-Gerasimenko – DLR, CNES, ASI und ESA starten Wettbewerb

Donnerstag, 16. Oktober 2014 Als noch zehn mögliche Landestellen für die erste Landung überhaupt auf einem Kometen im Rennen waren, reichten schlichtweg die ersten zehn Buchstaben des Alphabets. Nun steht allerdings fest, wo Lander Philae nach seiner Abkopplung von der ESA-Sonde Rosetta am 12. November 2014 auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko aufsetzen wird – auf Landeplatz J. Und „J“ ist kein besonders schöner Name. Deshalb rufen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die französische Raumfahrtagentur CNES, die italienische Raumfahrtagentur ASI und die ESA mit einem Wettbewerb dazu auf, einen Namen für Landestelle J vorzuschlagen. Bis einschließlich 22. Oktober 2014 konnten Vorschläge online eingereicht werden. Der Gewinner und der ausgewählte Name für die Landstelle werden am 3. November 2014 bekanntgegeben.

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Mission ins Ungewisse II – Der Kometenlander Philae

Donnerstag, 23. Oktober 2014 Nach zehnjähriger Reise und rund sieben Milliarden Kilometern Wegstrecke steuert die Mission Rosetta nun auf ihren Höhepunkt zu: Die Landung auf einem Kometen.

Am 12. November 2014 ist es dann soweit: Zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt soll ein Landegerät auf einem Kometen abgesetzt werden. „Was uns da oben erwartet, wissen wir nicht konkret“, sagt Lander-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Der Kurzfilm „MISSION INS UNGEWISSE II – Der Kometenlander Philae“ beginnt dort, wo das erste DLR-Video zur Rosetta Mission aufgehört hat: Am Tag des Aufweckens der Raumsonde Rosetta am 20. Januar 2014. Damals warteten die Wissenschaftler gebannt auf ein Signal der Raumsonde, das trotz Lichtgeschwindigkeit 45 Minuten brauchte, um auf die Erde zu gelangen. Im neuen Video beschreiben die beteiligten Wissenschaftler die Meilensteine der Mission Rosetta im Jahr 2014 und blicken gebannt auf den Tag der Landung auf dem Kometen am 12. November 2014.

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Philaes Landeplatz wird „Agilkia“ heißen

Dienstag, 4. November 2014 Es wurde in der ägyptischen Historie gestöbert, neue Wortschöpfungen erfunden und nach geeigneten Vergleichen gesucht – insgesamt rund 8300 Namensvorschläge für den Landeplatz J von Lander Philae auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko wurden beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der französischen Raumfahrtagentur CNES, der italienischen Raumfahrtagentur ASI und der europäischen Weltraumorganisation ESA eingereicht. Das „Steering Committee“ des Landers stimmte als Jury ab und entschied sich für „Agilkia“, die Insel, auf die der Tempel von Philae versetzt wurde.

„Die Entscheidung war sehr knapp“, sagt Prof. Felix Huber vom DLR, der das „Steering Committee“ leitet. „Wir hatten viele und gute Vorschläge, wie der Landeplatz J benannt werden könnte.“ Nun ist die Wahl auf Agilkia gefallen: Die Insel im Nil wurde 1980 der neue Standort für den Isis-Tempel, als dessen Standort – die Insel Philae – durch den Bau des Assuan-Staudamms überflutet wurde. Mehr als 150 Teilnehmer hatten diesen Namen vorgeschlagen, so dass unter den Einreichungen das Los entscheiden musste: Gewinner des Wettbewerbs ist der Franzose Alexandre Brouste aus Le Mans. „Ich interessiere mich schon seit vielen Jahren für die Raumfahrt“, sagt der Mathematikdozent. „An dem Wettbewerb habe ich teilgenommen, weil ich an dem historischen Augenblick der Landung auch beteiligt sein wollte.“ Agilkia habe er ausgewählt, weil die Insel so eng mit Philae verbunden sei. „Wenn die Landung gut verläuft, wird das ein großartiger Moment!“

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